Lebenslauf schreiben – Arbeit finden – Leichter gesagt als getan

„Hallo, ich bin Zaid*. Ich komme, um einen Lebenslauf zu schreiben“. Mit diesem Satz, mit dieser Begrüßung beginnt mein Auftrag. Menschen dabei zu unterstützen, sich erfolgreich um eine Arbeit zu bewerben. Leichter gesagt als getan.

Jede*r Mensch ist unterschiedlich. So unterschiedlich wie die Biografien der Menschen, die zu mir in die Sprechstunde kommen, so unterschiedlich sind sie auch in ihren Fähigkeiten und Sprachkenntnissen, wie auch in ihrem Verständnis für deutsche Gründlichkeit und bürokratische Abläufe hierzulande. Was uns verbindet: wir haben uns getroffen, um zusammen eine Hürde zu nehmen, um in Deutschland Arbeit zu finden und sich so eine neue Zukunft aufzubauen. Wir beginnen mit einem Lebenslauf.

„Kannst du mir auch den Monat nennen, wann du deinen Schulabschluss gemacht hast und wann du deine letzte Arbeit angefangen hast, in Eritrea*? Es ist wichtig die formalen Anforderungen einzuhalten, so gut es uns möglich ist. Viele Menschen, die anderen Menschen Arbeit geben bzw. den Einstellungsprozess verantworten, legen (leider) viel Wert darauf.“ Ist der Satz angekommen? Wurde ich verstanden? Wechsel zwischen Deutsch, Englisch, Französisch und die Zuhilfenahme von Übersetzungsprogrammen sind die Regel in den Beratungsterminen. In den allermeisten Fällen reicht das aus für eine Verständigung auf das Wesentliche. Am Ende soll ein fertiger Lebenslauf entstehen.

Insbesondere wenn es darum geht, Nachweise über Zeugnisse über bereits erworbene Schul- und Bildungsabschlüsse oder Arbeitsnachweise zu generieren, ist hohe Sensibilität gefordert um Menschen in Rücksichtnahme auf ihre erlebte Vergangenheit nicht zu überfordern.  Da diese Dokumente oftmals gerade einfach nicht so einfach zur Hand zu bekommen sind. Oder auf dem Weg nach Deutschland verloren gegangen. Ahmad* erzählt mir zwischendurch einen Witz, der die tödliche Asyl- und Migrationspolitik der EU thematisiert. Es geht um die Einhaltung von Formalia und die fehlende Menschlichkeit in den Prozessen, in denen wir als Gesellschaft feststecken. Wir schmunzeln und schauen uns tief in die Augen. Humor statt Resignation. Oder ein bischen was von beidem. Auf der Suche nach Hoffnung: Weiter geht es mit dem Anschreiben.

„Warum möchtest du dieser Arbeit nachgehen? Warum möchtest du dich genau bei diesem Unternehmen bewerben? Was sind deine Stärken, was zeichnet dich als Mensch aus?“ Dieser Teil ist meist sehr persönlich und wirft nochmals viele Fragen auf, die nur Ansatzweise in einem ersten Termin geklärt und erarbeitet werden können.

Am Ende der Stunde steht ein fertiger Lebenslauf und ein Entwurf für ein Anschreiben. Viel Glück bei der Bewerbung. Wenn du noch was brauchst, meldest du dich.

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